Abwasserverwertung der Zukunft: Denn Geld stinkt nicht
Das wussten schon die alten Römer und besteuerten die öffentlichen Stillen Örtchen. Ganz so einfach liegt unser Fall nicht, denn in unserem Kanalisationssystem schlummert oder besser verrinnt das bare Geld in Form von Warmwasser, Wärmeenergie genauer gesagt. Und eben damit lässt sich reichlich Geld sparen. Das Zauberwort heißt Abwasserwärmerückgewinnung.
Energierecycling einfach genial
Der Gedanke ist so genial wie einfach und auch schon vor 30 Jahren zum ersten Mal realisiert worden. Bei ständig steigenden Energiepreisen hat man jetzt erkannt, dass man sich verstärkt mit der Nutzung dieses schier unerschöpflichen Wärmereservoirs beschäftigen muss. Ohne diese Art des Energierecycling wird in Zukunft kein größerer Betrieb mehr auskommen. Mit Hilfe von Wärmetauschern wird dem Abwasser die Wärmeenergie entzogen, die man zuvor hineingesteckt hat. Dann wird die Energie mittels eines Solemediums an die Wärmepumpe weitergeleitet, so dass sie nun erneut für Heizung oder Warmwasseraufbereitung genutzt werden kann.
Wasser satt
Genau hier setzt der kühle Rechner an. Neben der Heizung macht das Aufbereiten von Warmwasser den größten Posten in der Energiebilanz aus. Zu unserem Lebensstandard gehören Waschmaschine und Geschirrspüler ebenso wie ein schönes Bad oder eine angenehme warme Dusche. Wellness-Anlagen zur Entspannung und Schwimmbäder haben immensen Durst auf Warmes. Eine Unmenge von Warmwasser wird ebenso schnell produziert wie es im Nirwana der Entwässerungssysteme verschwindet, um dann die Unterwelt zu erwärmen anstatt recycelt zu werden. Die Entlastung wäre also doppelt: Einmal würde der Primärenergieverbrauch stark reduziert und zum anderen die Umwelt um einen nicht geringen Teil vor unnötiger Erwärmung bewahrt.
Immense Einsparungen möglich
Vor allem die Kommunen oder eben die Herren der Kanalisationssysteme, zum Beispiel die Wasserwerke, würden von dieser verlorenen Wärme kräftig profitieren. Bei einer durchschnittlichen Wassertemperatur von 15 Grad Celsius kann bis auf fünf Grad heruntergetauscht werden. Es ergibt sich also eine erstaunliche Ausbeute von zehn Grad, die bei der Wassererwärmung eingespart werden würde. In vielen maroden und zu sanierenden Abwassersystemen, gerade in Großstädten wie Berlin, werden hoffentlich bald Betonrohre mit integrierten Wärmetauschern eingesetzt werden. In bestehende Kanäle müsste man Wärmetauscherplatten aus Chromstahl verlegen. Durch die Einspeisung in bestehende Fernwärmenetze oder die Nutzung in eigenen Immobilien kann hier Einiges gespart und somit auch verdient werden.
Die andere Variante bezieht sich auf Großanlagen wie Schwimmbäder, Hospitäler, auch Hotelanlagen und Neubaugebiete kommen in Frage. Dies nennt man das Verfahren am Objekt. Bei diesem Verfahren werden die Wärmetauscher nämlich in Schächten (siehe Foto) direkt in der Nähe der Außenhülle des Gebäudes eingelassen. Kurze Wege und somit geringster Wärmeverlust ermöglichen bei Temperaturen um die 23 Grad Celsius eine vollständige Warmwasseraufbereitung aus recycelter Wärmeenergie.
Rückgewinnung bald für Jedermann rentabel
Da ein gewisses Abwasservolumen notwendig und der technische Aufwand praktisch von der Objektgröße unabhängig ist, sind Einzelhausnutzungen derzeit noch nicht rentabel. Doch auch hier heißt die Zukunft Abwasserwärmerückgewinnung. Denn sicher wird die allgemeine Energiepreisentwicklung diese Zukunftstechnologie auch im kleinen Maßstab bald rentabel machen. Die ersten Schritte in die richtige Richtung sind auf jeden Fall schon getan.
Somit ist noch nicht alles, was derzeit massenhaft im Abfluss verschwindet, auch verloren. Viele Kommunen haben die Zeichen der Zeit schon erkannt. Doch in manchen Städten wie Berlin streitet man noch um die Gelder. Man kann nur hoffen, dass das Gerangel beendet wird, bevor noch mehr Energie ungenutzt im Abgrund der Abwassersysteme verschwindet.










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