Ruinenstädte der Zukunft – Teil 2
Viele Metropolen sind dem Untergang geweiht. Die Gefährdung Venedigs wird ja schon länger diskutiert. Doch auch einer anderen italienischen Großstadt droht ein Untergangsszenario, das ebenso so sicher wie das Amen in den italienischen Kirchen irgendwann eintreten wird: Der Ausbruch des Vesuvs kann jederzeit stattfinden. Vor nahezu 2.000 Jahren zerstörte dieser Vulkan schon die Städte Pompeji und Herkulaneum. Erst Ausgrabungen in jüngerer Zeit ließen die Ruinen wieder an die Erdoberfläche.
Der Ausbruch kommt mit Sicherheit. Aber wann? Heute leben eine halbe Million Menschen in der so genannten Roten Zone, dem Gebiet im Großraum Neapel, das direkt vom Ausbruch betroffen wäre. Freilich würde auch der Rest der Stadt stark in Mitleidenschaft gezogen. Dieses katastrophale Ereignis könnte womöglich sogar einen Wiederaufbau unmöglich machen. Ungefähr alle hundert Jahre bricht der Vesuv mehr oder weniger stark aus, das letzte Mal war 1944. Doch ein verheerender Ausbruch ist statistisch längst überfällig.
Der Sand rückt immer weiter vor
Städte können auf viele verschiedene Weisen verwaisen. Timbuktu in Mali zum Beispiel, die alte geheimnisvolle zentralafrikanische Stadt, wird wohl im Sand versinken. Auch das kann als relativ gesichert angenommen werden. Verzweifelt kämpfen die Bewohner mit Bepflanzungsprogrammen gegen die wachsende Wüste an. Doch einige Teile der Stadt sind schon halb vom Sand bedeckt.
Timbuktu ist aber nur eine von vielen afrikanischen Städten an der Südgrenze der Sahara, die dieses Schicksal teilen müssen. 1000 Jahre lang haben hier Menschen gelebt und der Wüste äußerst erfolgreich getrotzt, bald wird diese lange Tradition wohl ein wüstes Ende nehmen.
Suburbanisierung oder Stadtflucht ist ein Problem, das oft nicht wahrgenommen wird. Da in den meisten Teilen der Welt die Landflucht, die Urbanisierung vorherrscht. Doch es gibt Städte, die alleine durch den Bevölkerungsschwund aussterben könnten.
Stadtflucht vor dem großen Beben
Abgesehen davon, dass San Francisco von einem verheerenden Erdbeben bedroht ist, kann diese bunte Megacity auch durch Bevölkerungsschwund aussterben. Laut Forschern der University of California besteht eine 75-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass Frisco, wie es liebevoll genannt wird, bis 2086 von einem Megabeben heimgesucht wird.
Und genau deshalb ist San Francisco von der Suburbanisierung betroffen. Wenn es dann kommt, das große Beben, könnte die Stadt möglicherweise noch viel dramatischer schrumpfen, so befürchten die Experten, weil dann die meisten Einwohner endgültig genug von diesem gefährlichen Gebiet haben dürften.
Eine ehemalige Millionenstadt
Auch aus Detroit, der ehemaligen Millionenstadt, fliehen die Menschen. Seit 1950 hat die einstige Metropole der Automobilindustrie um ein ganzes Drittel abgenommen, so dass hier nur noch rund 900.000 Menschen leben. Mit der dramatischen Krise der Automobilindustrie wird sich die Lage wohl weiter zuspitzen. Denn hier sitzen (noch) alle drei großen US-Autokonzerne, Chrysler, GM und Ford.
Tatsächlich wäre die Stadt noch weiter geschrumpft, wenn die teilweise slumartigen Vororte nicht wachsen würden. Die Arbeitslosigkeit liegt hier dementsprechend überdurchschnittlich hoch. So vermuten die Forscher, dass Detroit entweder weiter schrumpfen oder sich bis 2100 zumindest völlig verändern wird.
Verschwindet Leipzig in der Bedeutungslosigkeit?
Aber auch in Deutschland steht der allgemeinen Landflucht eine Stadtflucht entgegen. So zum Beispiel in Leipzig. Die meisten Menschen lebten dort im Jahre 1939. 700.000 Einwohner zählte die sächsische Metropole damals. Durch den Krieg sank die Bevölkerung zum ersten Mal dramatisch, und erreichte erst in den sechziger Jahren wieder die 600.000er Marke.
Seit den Siebzigern, aber besonders nach der Wiedervereinigung sank die Anzahl der Einwohner auf 440.000 bis zum Jahre 1995. Deshalb wurden drastische Maßnahmen eingeleitet, um die Flucht, die teilweise auch eine Flucht in den Westen ist, aufzuhalten. Durch Eingemeindungen wurde das Stadtgebiet zum Beispiel fast verdoppelt. Aber auch die Zweitwohnungssteuer hat sicher dazu beigetragen, dass die Stadt langsam wieder wächst und 2005 die halbe Million wieder erreicht und seitdem gehalten hat.
Ob der Trend damit tatsächlich aufgehalten und somit verhindert werden kann, dass Leipzig eine Geisterstadt wird und langfristig in der Bedeutungslosigkeit verschwindet, kann nur die Zukunft zeigen.









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